Archiv für September, 2006

Stud.IP und die Kornkreiszeichen (GadgaZ #1)

29.09.2006

Kornkreise

In welcher Verbindung stehen eigentlich Stud.IP und die gängigen Kornkeiszeichen?
In gar keiner. Aber wenn man keine reißerische BLOG-Überschrift hat wird man im Web2.0 Zeitalter nicht mehr gelesen – so einfach ist das.

Früher war natürlich alles besser. Daher hört diese neue Serie auch auf den nostalgischen Namen “Geschichten aus der guten alten Zeit“.
In unserer ersten Folge soll die Frage geklärt werden:

Wo kommt eigentlich das Logo her und was will es uns sagen?

Wie ausnahmslos alles an Stud.IP ist auch das Logo aus einer kreativen Blubbersuppe entstanden – viele Leute haben etwas daran rumgeköchelt. Vor dem Logo brauchten wir im Sommer 2000 erst mal einen Namen. Den hat Cornelis Kater vor meinen Augen erfunden, schick fand ich spontan den Technikbezug mit IP hintendran (IP-Adresse, englisch auszusprechen). Aus dem “Studentischer Internetsupport von Präsenzlehre” wurde dann irgendwann der “Studienbegleitende”, um sich etwas aus der Fricklerecke zu lösen.

den Schriftzug hat dann Tobias Möller geliefert, in einer mir damals futuristisch-unbekannten Schrift. Wer den Punkt rot gemacht hat habe ich ehrlich gesagt vergessen. Ich war nur dafür dass er sanft blinken sollte – wie das die MACs so schön vorgemacht haben. Das sah dann schon ganz hübsch aus, ich wollte aber gerne noch etwas Grafisches – und habe dann die Bögen dazugemalt. Und nein, die sollen keine Kornkreise darstellen in Erwartung der Ankunft des höchsten Wesens, sondern: einen Hörsaal. Merke: die Lücken sind somit Treppenaufgänge zwischen den Sitzreihen.
Logo

Selbstkritisch sei angemerkt, dass von unserem Didaktik-Konzept her ein Seminarraum angebrachter gewesen wäre – aber wie stellt man den dar? Oder, wie einer meiner wissenschaftlichen Ziehväter zu sagen pflegt wenn es um klickmichbuntigrafikeninpowerpoint geht: “Nun, visualisieren sie mal nachhaltige Finanzwirtschaft“.

Jetzt ist das Logo 6 Jahre alt und damit das älteste Designelement von Stud.IP überhaupt. Mal sehen ob es die 10 noch vollkriegt, aber ich finde es immer noch recht hübsch!

Für Dozenten der Uni Osnabrück: Ein echtes, gedrucktes Handbuch

28.09.2006

Als ich jüngst wieder einmal in den alten Schriften des Herrn Fontane blätterte und mich umgehend wohlig eingetaucht fand in andere Gegenden, das Fremde mir allein durch der Worte Kraft so vertraut wurde, wie mein Heimatort, da fragte ich mich seufzend: Warum gibt es so etwas eigentlich nicht über Stud.IP:

Im Norden des Schirmes, hart an der browserschen Grenze, zieht sich von dem einsamen Häuschen bis zur Logoinsel hin (und noch darüber hinaus) eine mehrere Meilen lange Kopfzeile durch eine menschenarme, nur hie und da mit ein paar rot blinkenden Flecken, sonst aber ausschließlich mit grau-blauen Icons, weißen Schriftzügen und kräftig blauen Topicbars besetzte Ebene.

Nun muss ich sagen: Zum Glück (für mich und nicht zuletzt die Leserinnen und Leser) hat sich jemand anderes gefunden und mit Begeisterung den Großteil der Aufgabe übernommen, ein gleichermaßen informatives wie spannendes Stud.IP-Dozentenhandbuch für die Uni Osnabrück zusammenzutragen und zu redigieren. Ein großes Dankeschön an Kristine Greßhöner dafür! Natürlich auch an all die vielen anderen virtUOS-Hilfskräfte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Autoren der zu Grunde liegenden Stud.IP-Online-Hilfe. Entstanden ist das Buch komplett in einem Wiki, genauer gesagt einer pmwiki-Installation, die sich für diesen Zweck sehr bewährt hat.

Heute – das der Anlass für diesen Beitrag – habe ich mit Freude und ein wenig Stolz den letzten (naja: ziemlich letzten) Korrekturlesedurchgang durch das nun vollständige, erstauflagenbereite, fertige Manuskript abgeschlossen. Jetzt wird es von fleißigen Händen durch media2mult gejagt und dem universitätseigenen epOs-media-Verlag übergeben, der das ganze zum Selbstkostenpreis druckt und eine HTML-Fassung frei zugänglich ins Netz stellt.

Schön. Nun haben die Osnabrücker Uni-Dozenten demnächst ein gedrucktes Handbuch. Was hat der Rest der Stud.IP-Welt davon? Das Handbuch unverändert zu übernehmen ist nur in Grenzen sinnvoll, da wir sehr viele komplexe Prozesse von der Veranstaltungsplanung über die Produktion von Veranstaltungs- und Personenverzeichnissen bis hin zur Raumverwaltung über Stud.IP abwickeln und einen Teil der Funktionen vor dem Hintergrund dieser Prozesse beschreiben. Zum Teil sind die überarbeiteten Texte aber schon in die neue Stud.IP-Hilfe eingeflossen, weitere werden folgen. Und wenn das Interesse groß genug ist, werden wir auch über eine standortunabhängige Fassung nachdenken. Die jetzt entstandene Fassung wird auf jeden Fall unter einer geeigneten Lizenz frei verfügbar und weiterverwendbar sein.

So bleibt mir zum Schluss noch, etwas Appetit zu machen auf das Handbuch und – Weltpremiere! – die Einleitung vorabzudrucken.

Die Einleitung

Stud.IP ist an der Universität Osnabrück zu einem alltäglich verwendeten Werkzeug geworden. Ob es um die Planung des Lehrangebots, die Organisation von Lehrveranstaltungen oder die Kommunikation mit Studierenden geht – Stud.IP vereinigt viele Arbeitsabläufe in einer Plattform und ermöglicht es bei korrekter Nutzung, Zeit zu sparen, den Überblick zu behalten und den Studierenden besseren Service zu bieten.

Viele Funktionen, das bedeutet allerdings auch komplexere Handhabung. Obwohl die Entwickler sich immer bemühen, das System so intuitiv und übersichtlich wie möglich zu gestalten, gibt es doch den einen oder anderen Trick, die eine oder andere Abkürzung oder die eine oder andere Funktion, die einer kurzen Erläuterung bedarf. Die Online-Hilfe, die Ihnen bei den meisten Aufgaben hilfreich zur Seite steht, wurde gerade überarbeitet und aktualisiert.

Manchmal möchten Sie aber auch im Zusammenhang nachlesen, wie eine Funktion verwendet werden kann, möchten etwas Gedrucktes zum Schmökern und Durchblättern in der Hand halten. Unsere Erfahrungen in der Benutzerbetreuung haben uns gezeigt, dass sich viele, gerade gelegentliche oder unsichere Nutzer mit einem gedruckten Handbuch wohler fühlen würden.

Deshalb haben wir – auf Basis der Online-Hilfe, aber dem veränderten Medium angepasst – ein gedrucktes Handbuch für Stud.IP erstellt, das sich vor allem an Lehrende richtet und auch auf Osnabrücker Besonderheiten eingeht. Wir möchten Ihnen problemorientierte Lösungen für ihre Lehre bieten, verschiedene Einsatzmöglichkeiten aufzeigen und schließlich auch Tipps und Hinweise für schon fortgeschrittene Nutzer geben.

Wir freuen uns über Ihre kritischen Rückmeldungen zu diesem Handbuch. Wir werden regelmäßig aktualisierte Auflagen herausgeben, so dass Ihre Anregungen, Wünsche und Anmerkungen den anderen Lesern zugute kommen. Für alle offen bleibenden Fragen gilt ebenso: Wenden Sie sich an uns, wir werden Ihre Fragen dann im persönlichen Kontakt klären.

Wir wünschen Ihnen nun viel Spaß und vor allem Erfolg bei der Arbeit mit Stud.IP und hoffen, dass unser Handbuch Sie dabei sinnvoll unterstützt.

Zwei Engel für Stud.IP

28.09.2006

Die Orga hat der Tagung hat ziemlich gut funktioniert, wenn man bedenkt, dass in diesem Jahr nicht alle Fäden bei data-quest zusammenliefen, sondern die Sun User Group einen Teil übernommen hat.

Mein ganz besonderer Dank geht an Annette Lamprecht und Claudia Krell, die nicht nur bei Auf- und Abbau geholfen und den Servicecounter souverän unter Kontrolle hatten, sondern auch so manche Beinahe-Katastrophen verhindert haben. Die beiden arbeiten übrigens seit Jahren unengeltlich auf der Tagung – das ist ihr Beitrag zum Stud.IP-Projekt, und das kann man nicht genug würdigen.

Die DAmen managen das Zentrum der Tagung so lässig, sind dabei freundlich und immer hilfsbereit – egal, ob ein Teilnehmer den Weg zum nächsten EC-Automaten wissen will, ein Taxi braucht oder sein Handy verloren hat – das es eine wahre Freude ist. Dabei können sie knallhart und gleichzeitig umwerfend charmant sein: wer einmal miterlebt hat was Annette und Claudia mit Leuten machen, die Fragebogen oder Namensschild am Ende der Tagung nicht abgeben wollen, weiß, wovon ich schreibe.
Wenn die Beiden da sind, läuft es einfach.

Und: wenn ihr beiden Perfektionistinnen nächstes Jahr wieder mitmischt, werden die angeprangerten Missstände behoben.
Versprochen.

Und? Wie war die Tagung?

28.09.2006

…werde ich gerade von allen Seiten gefragt.
Gar nicht so einfach zu beantworten. Zum einen habe ich als Organisator und Veranstalter einen ganz anderen Blick auf die Tagung, zum anderen schlagen gerade die Auswirkungen des tagelangen Entzugs nicht gänzlich unwichtiger Dinge wie Schlaf und Nahrung zu, was zu etwas Konfusion führt.

Spontan würde ich jetzt einfach mal sagen: die Tagung war sehr gut.
Die Referenten und die Vorträge waren Klasse, die Workshops (so weit ich mitbekommen habe) wohl sehr anregend und produktiv. Der Austausch der Betreiber und Anwender untereinander, ein Kernaliegen der Tagung, hat ganz hervorragend funktioniert. Das merkte man an den vielen, angeregten Gesprächen während der Pausen und auch am Feedback.

Klagen gab es wenige – der größte Kritikpunkt war die Akustik in Hörsaal I.
Das ging (genau wie der knarzige Fußboden oder die Stühlerücker in der Etage über uns) gar nicht.
Wird nächstes Jahr anders.
Versprochen.

Wie fanden Sie die Tagung?
Ich freue mich auf Feedback – die Kommentare stehen Ihnen offen!

#3 Eine attraktive und konsistente Benutzeroberfläche.

25.09.2006
Stud.IP

Ad pulcritudinem tria requiruntur, integritas, consonantia, claritas. Dreierlei ist der Schönheit wesentlich, Ganzheit, Harmonie und Ausstrahlung. (James Joyce, Ein Portrait des Künstlers als junger Mann).

Als ich an einem trüben Märznachmittag im Jahre 2003 auf Stud.IP gestoßen bin, war es nicht die erste Lernplattform, die mir vor die Füße fiel. Seit knapp einem halben Jahr hatten wir uns mehr schlecht als recht mit WebCT (Campus Edition 3.6) angefreundet, immer wieder mal einen Klick in der Blackboard-Installation unserer Oldenburger Kollegen gewagt und auch das ein oder andere ILIAS benutzt. An jenem Märztage allerdings hat mich, sehr schnell und sehr nachhaltig, die Anmutung von Stud.IP in den Bann geschlagen. Es war auf Anhieb zu merken, dass dahinter etwas anderes steckte als eine oberflächlich zusammengeklebte Sammlung von Tools unterschiedlichster Herkunft. Nämlich: Etwas konsequent Durchdachtes.

Man mag nun das Blau, die Icons, die Bilder angenehm finden oder auch nicht; zumindest dass sie zueinander passen und ein Ganzes ergeben, das lässt sich nicht abstreiten. Man mag der Meinung sein, dass es langweilig sei, in jeder Veranstaltung die gleiche Oberfläche vorzufinden; zumindest aber dass es die einmal gefundene Orientierung erleichtet, das lässt sich nicht abstreiten. Und man mag es unerträglich finden, die Oberfläche nicht mit drei Handgriffen verändern zu können, hier eine andere Farbe, dort ein anderes Bild und wieder anderswo eine andere Schriftart einzustellen; zumindest dass es, so wie es ist, farblich und grafisch aufeinander abgestimmt ist, lässt sich nicht abstreiten.

Die Frage, was an Stud.IP denn anders sei als an anderen Plattformen, endet häufig bei der Oberfläche. Die Erfahrung zeigt – und das zigtausendfach: Benutzer kommen damit zurecht, im Großen und Ganzen. Allumfassende individuelle Anpassbarkeit mag etwas sein, das die Kompetenz der Entwickler, gestaltungsunabhängig zu programmieren im besonderen Maße herausstellt. Aber das darf und sollte freilich nicht dazu führen, die Verantwortung für ein benutzbares System auf Systemadministratoren und Benutzer abzuwälzen. (Leider habe ich keinen Screenshot mehr von dem WebCT-Kurs, dessen Dozent der Meinung war, Exkursionsankündigen gehörten pink, Buchempfehlungen hellbau und besonders wichtige News saftiggrün auf sonnengelb dargestellt.)

Die Frage, was an Stud.IP ganz besonders idiotisch, widersinnig und haarsträubend sei, endet ebenso häufig bei der Oberfläche. Üblicherweise sind es “Web-Profis”, die Stud.IP ganz furchtbar unintuitiv finden, weil es sich nicht an diesen oder jenen De-Facto-Webforum-Standard halte, man nicht einmal HTML eingeben könne oder die Navigation nicht vertikal angeordnet ist. Ja. Und was sagt uns das? (Ein wenig erinnert mich das manchmal an den alten Witz von der Hummel.)

Natürlich ist Stud.IP nicht perfekt gestaltet, ich könnte hier ein halbes dutzend Design- und Usabilitykatastrophen aufzählen, sicherlich, die abgestellt gehören (die drei eben genannten Punkte gehören nicht dazu). Wir arbeiten daran und sind bis dahin überzeugt vom dritten Punkt der Stud.IP-Philosophie:

Einfache Benutzbarkeit und ein ausgewogenes, durchdachtes Design stehen über der Möglichkeit, jeder Veranstaltung ein individuelles Gesicht zu geben. Eine konsistente Bedienung des Systems sorgt dafür, dass Inhalte vor Gestaltung und Finden vor Suchen stehen. Bedienung, Funktionsumfang und Design bilden dabei jedoch nicht drei “konkurrierende” Pole, sondern bedingen und unterstützen einander.

Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung zu: Studierende ernst nehmen und wird fortgesetzt in Orientierung an den Strukturen deutscher Hochschulen.

“Sei dort oder ein viereckig Ding”

25.09.2006

Stud.IP-Tagung 2006
Mittlerweile eine liebgewonnene Tradition: zum vierten Mal kommen am Mittwoch Betreiber und Anwender von Stud.IP in Göttingen zusammen.
Vom Rechenzentrumleiter bis zum Studierenden.
Um sich über Neuigkeiten zu informieren, Erfahrungen auszutauschen, die Entwickler zu treffen.
Neu in diesem Jahr: einen Tag später findet die ILIAS-Konferenz statt, am gleichen Ort. Praktisch für alle, die beide Veranstaltungen besuchen wollen. Im letzten Jahr klappte das nicht ganz so gut: die Tagungen lagen fast zeitgleich, aber 400 KM auseinander.
Aber wir lernen ja aus unseren Fehlern.

Das ganze Göttinger Team freut sich schon sehr darauf, die Stud.IPler aus ganz Deutschland (und der Schweiz) wiederzusehen.
Vor lauter Orgastress und Vorbereitung kommt leider dieses Blog gerade etwas zu kurz.
Genau wie Essen und Schlafen.

Aber es wird sich lohnen.
Es wird groß.
Und nicht nur die Besucherzahl ist in diesem Jahr rekordverdächtig.
Auch die Dinge, die auf der Tagung verkündert werden (“One more thing….”).
Also: “Be there or be square”

… und Stud.IP soll Web2.0 sein?

23.09.2006

Ist Stud.IP, ein etabliertes Learning-Management-System (LMS) Web2.0? Kann eine Gruppe Programmierer mit einem Durchschnittsalter von bestimmt schon >30 (oh, wie die Zeit vergeht) überhaupt Web2.0 sein?

Diesen Fragen gehen Ralf Stockann und ich (Nils K. Windisch) am kommenden Dienstag auf den Source Talk-Tagen auf die Spur.

In einem aktuellen Artikel auf Heise-Online mit dem Titel “OMD: Web 2.0 auf der Zunge, Web 1.0 im Kopf” heisst es:

Web 2.0 sei keine neue Technologie, sondern eine neue Art zu denken.

und weiter:

Im Jahre 2006 haben wir das Read-Write-Web, zu dem man eigene Inhalte beisteuern kann

Nun ist ein LMS nicht das Web, sondern eher eine geschlossene Community, aber der Read-Write-Gedanke ist für Stud.IP charkteristisch und das von Anfang an.

Uns wird es dabei auch um für Web2.0 typische Techniken wie AJAX gehen, aber einen bedeutenden Anteil wird die Erläuterung dessen einnehmen, was bezogen auf das Web2.0 als community-driven Services verstanden wird und in Stud.IP seit der Stunde Null eingebaut und mitgedacht ist.

Link zu den Source Talk-Tagen in Göttingen vom 26 bis 28 September in Göttingen.

Weitere Beiträge zu Stud.IP:

  • Stud.IP und ILIAS in der Mathematik von Hartje Kriete
  • Neue Funktionen in kommenden Stud.IP-Versionen, Interoperabilität von Cornelis Kater und Marco Bohnsack
  • Stud.IP Spezial: Als Forschungs-/Tagungsplattform von C. Kruse und Tobias Thelen
  • Abbildung der Modularisierung von Studiengängen mit Bordmitteln von C. Roser
  • Einfach effizient – Integrierte Stud.IP-Services an der Universität Trier von M. Leuenhagen und J. Röpke
  • Campussource, Campussource-Engine und HIS-Systeme von M. Stepping
  • Einführung in Stud.IP – Präsentation der Version 1.4 von Marco Bohnsack
  • Weiterentwicklung ILIAS-Schnittstelle von A. Schröder und A. Noack
  • Stud.IP, Modularisierung und HIS von M. Schaarschmidt
  • Rechtsfragen des E-Learnings von N. Kalberg
  • Stud.IP Reloaded: Redesign der GUI von M. Guppenberger
  • Stud.IP, ILIAS und CampusSourceEngine

#2 Studierende ernst nehmen.

17.09.2006
Kontrolle
So nicht! (Photo: Chival)

Wenn Lernmanagementsysteme verglichen werden, begrenzt sich der Vergleich allzu leicht auf Listen von Funktionen, Features und Erweiterungen. Wie immer kommt es aber darauf an, was man daraus macht und das heißt in erster Linie: Wie geht das System mit seinen Nutzern um? Für welche Nutzer ist es überhaupt konzipiert und optimiert? In meinem zweiten Artikel über die Stud.IP-Philosophie möchte ich erläutern, warum für Stud.IP die Studierenden im Vordergrund stehen und was sie, die Dozenten und die Hochschulen davon haben.

In der Beschreibung eines ganz zufällig ausgewählten E-Learning-Angebotes konnte ich vorhin als stolzen Bericht über ein enthaltenes Feature lesen:

User tracking: Benutzerspezifische Daten des LMS ermöglichen es, die Navigation im Kurs, die Lernzeiten wie auch den Lernerfolg in Test- und Übungsaufgaben zu erfassen und im Hinblick auf die Lernwirksamkeit der Darstellung auszuwerten.

Bei Stud.IP gibt es so etwas nicht. Kein User-Tracking. Keine Speicherung von “Lernwegen”. Wir glauben nicht, dass sich so etwas Komplexes wie die “Lernwirksamkeit” eines E-Learning-Szenarios aus gemessenen Verweildauern, Klick-Pfaden und Aufrufhäufigkeiten ableiten lässt. Wir glauben auch nicht, dass Lehrende bessere Betreuung anbieten können, wenn sie für jeden Einzelnen en detail nachvollziehen können, wann er wie oft und in welcher Reihenfolge was getan hat. Stattdessen glauben wir an Freiheit (as in “free speech”, not as in “free beer”). Wir glauben, dass erfolgreiche elektronische Unterstützung von Lehr-/Lernprozessen kein Mehr an Kontrolle benötigt, sondern im Gegenteil vieles unternommen werden muss, den kalten technischen Raum angenehm und vertrauenswürdig zu machen. Und deshalb heißt es in der Stud.IP-Philosophie über die wichtigste Nutzergruppe:

2. Studierende ernst nehmen.

Studierende sind in Stud.IP keine verwalteten, beobachteten und beaufsichtigten Objekte, sondern die wichtigste Gruppe, die aktiv, eigenverantwortlich und kreativ das “Leben” im System bestimmt. Deshalb heißen Studierende in Stud.IP “AutorInnen”: Sie verfassen Diskussionsbeiträge, stellen Dateien und Lernmodule zur Verfügung und können wie Lehrende auch Informationen über sich selbst frei und flexibel veröffentlichen.

Man muss angesichts dieses Absatzes nicht gleich die Anarchie ausbrechen sehen, angestaubte 68er-Ideale in den Köpfen junger Programmierer angekommen wähnen oder befürchten, dass Stud.IP gänzlich an der Realität deutscher Hochschulen vorbeizielt. Im Gegenteil. Auf unseren Hochschulfluren stehen keine Stempeluhren für vorbeikommende Studierende, die Kopierer merken sich nicht, wer was kopiert hat und kein Buch flüstert dem Dozenten, ob Erwin Meier es wirklich gelesen hat. Stattdessen sind unsere Hochschulen Orte, an denen die Studieren sich einbringen können und lernen sollen, sich einzubringen. Zumindest sollten sie es sein. Und vielleicht – so hoffen wir – hilft Stud.IP ein Stück mit, dass sie auch und gerade im Internet-Zeitalter solche Orte bleiben oder wieder werden.

Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung zu: Ein offenes kommunikatives System für alle. und wird fortgesetzt von: Eine attraktive und konsistente Benutzeroberfläche.

Firefox Such-Plugin für das Stud.IP Blog

16.09.2006

jetzt als Download: ein Such-Plugin für das Stud.IP Blog

hier herunterladen

installation:
herunterladen, entpacken (zip-archiv) und in das Verzeichnis kopieren:

  • Linux: “/usr/lib/Mozilla/searchplugins”
  • Windows: “c:\Programme\Mozilla.org\Mozilla\searchplugins\”
  • Mac OS X: “/Applications/Mozilla.app/Contents/MacOS/Search\
    Plugins/”

The Sprache of eLearning

15.09.2006
Emaille - Judit Sauerland
Zeichnung: Judit Sauerland

Das Wort „eLearning” bezeichnet etwas Modernes, denn es besteht aus einem kleinen e und etwas großem Englischen. So wie eCommerce, eBook, eGovernment, ePaper, eConnectivity, eConsulting, eCruiting, eDating, eWaste-Recycling, eCompetence, eLiteracy, eProcurement, eCollaboration, eLogistics oder eVoting. Gehen die E-Learning-Aktivisten zu sorglos mit der deutschen Sprache um oder gibt es gute Gründe für alle die englischen Begriffe?

Bei der elektronischen Post sieht es mit der Schreibung schon etwas anders aus. Niemand schreibt doch heute noch „eMail”. Lieber EMail oder gar Email. Der Duden will E-Mail, denn das dazugehörige Verb heißt schließlich nicht emaillieren, sondern … emailen? eMailen? Nein, E-Mail ist schon so etabliert, dass das e sogar entfallen darf. Eine Mail forwarden, ein Attachment mailen, beim Surfen schnell noch Mails checken. Wer tut das nicht?

Per U-Boot zum E-Learning

Der Sprachkritiker weiß: Selbstverständlich gehört das alles mit E- geschrieben. So wie U-Boot, S-Bahn, D-Zug oder E-Werk. Das sind solide Dinge. Einem dZug würde niemand vertrauen – bei einem InterCityExpress sieht das interessanterweise schon anders aus. Suggeriert nicht „E-Learning” bleierne Seriosität? Springt nicht „eLearning” Sie hingegen an und ruft: „Hey, ich bin fresh, ich bin der Hype! Gestern hieß ich vielleicht anders, morgen bin ich vielleicht tot. Spring auf und lebe jetzt!”

Sind Sie immer noch nicht überzeugt, dass educational blogging ein must have ist? Dass technology enhanced learning und instructor led teaching sich nicht ausschließen? Dass Videoconferencing unter Cost-Benefit-Gesichtspunkten Rich-Media-Content überlegen sein kann und außerdem social incentives bietet, die eTeaching, eTutoring und selfpaced learning wirklich rewarding machen? Dass mit massively multiplayer online role playing games (MMORPGs) unsere Kids game based eLearning längst leben?

Sind sie ein early adopter?

Oder ärgern Sie als heimlicher early adopter sich maßlos, den Begriff „blended learning” nicht erfunden zu haben, obwohl Sie das schon seit 1999 praktizieren? Sie grübeln noch über den Unterschied zwischen klassischen Learning-Management-Systemen und Web-Based-Learning-Content-Management-Systemen? Verpassen Sie gerade die Diskussion um rapid eLearning? Überlegen Sie hin und her, ob nicht auch Sie ein Blog brauchen, weil niemand mehr eine „Homepage” hat? Dabei ist blogging längst out, podcasting auch: vlogs werden demnächst das Fernsehen ablösen!

E-Learning- und Denglisch-Bashing ist einfach, sozial akzeptiert und lustig. Cave! Schaum wird überall geschlagen. Wer mutmaßt, dass all der glitzernde E-Learning-Schaum nur davon ablenken solle, dass außer Schaum nichts sei, macht es sich zu einfach.

Elektronische Medien und elektronische Kommunikation haben unsere Gesellschaft verändert und verändern auch unsere Universität. Das wirbelnde E-Learning-Geschäft beginnt sich zu konsolidieren. Die derzeit spannendsten Entwicklungen sind nicht (mehr) von technischem Fortschritt gesteuert: Blogs (keine Sorge, die sind nicht wirklich out) hätte es technisch schon vor 10 Jahren geben können. Doch es dauert seine Zeit, bis technische Möglichkeiten ausgelotet sind, sich Sinnvolles von Sinnlosem trennt. Das Spielen mit immer neuen Begriffen und Moden gehört dazu.

The Sprache of E-Learning

Wir bemühen uns – bei der Stud.IP Entwicklung im Ganzen und in diesem unseren kleinen, feinen Blog im Besonderen – für Sie ein wenig vorzusortieren, gemäßigt und bewusst mit der Sprache of E-Learning umzugehen und Wissenswertes allgemeinverständlich darzustellen. Krampfhaftes Eindeutschen aller Begriffe erschwert jedoch die Diskussion, verwirrt und raubt Manchem den zwinkernden Charme des optimistischen Suchens nach Wegen in die Zukunft. Also: Wenn Sie und Ihre Buddys nicht hoffnungslos vernoobt bleiben wollen, loggen Sie sich ein und formen Sie das, was jetzt E-Learning heißt, mit.

Dieser Artikel ist in leicht abweichender Fassung zuerst erschienen in:
learnmedia@uos.de – Informationen, Diskussionen und Praxisberichte rund um elektronisch unterstütztes Lernen und Lehren in Osnabrück.
Ausgabe 1, 2006, S. 16.

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