Archiv für Oktober, 2006

Mission critcal

18.10.2006

Letzte Woche durften wir uns noch anhören, dass ein Unterschied zwischen den USA – die ja bekanntlich schon viel weiter sind, bei allem – und Deutschland darin bestehe, dass Lernplattformen drüben mission critical und darum ganz wichtig seien, hüben aber nicht. Was macht es also schon, wenn in Good Old Germany ein Server ausfällt? Hier das Protokoll…

Ort:
Zentrum zur Unterstützung virtueller Lehre der Universität Osnabrück.
Zeit:
Zweiter Tag des Wintersemesters, vormittags.
Beteiligte:
210 NutzerInnen, die sich gerade in Stud.IP tummeln; die MitarbeiterInnen des virtUOS; das Rechenzentrum.
11:40:15
Das Stud.IP der Uni Osnabrück produziert vorwarnungslos nur noch einen weißen Bildschirm.
11:40:17
Drei Büros weiter ein Schrei: Hilfe, wo sind meine Termine?!
11:40:18
Eine Hilfskraft vom Support steht in meiner Tür: Stud.IP tut nicht mehr!
11:40:19
Überall im virtUOS beginnen Telefone zu klingeln.
11:40:21
Anruf im Rechenzentrum: Besetzt.
11:40:25
Die Arbeit im virtUOS kommt zum Erliegen. An allen Apparaten wird die gleiche Auskunft gegeben: Wir wissen noch nicht, was passiert ist, es wird aber sicherlich gleich wieder funktionieren.
11:40:30
Drei Büros weiter ein Schrei: Meine Termine sind wichtig!
11:40:35
Eine Menschentraube schart sich um den Supporttresen.
11:40:44
Stud.IP funktioniert wieder.
11:40:58
Rückruf aus dem Rechenzentrum: Das waren nur 30 Sekunden! Nur 30 Sekunden! Nicht aufregen!
11:41:00
Weiterhin Anrufe, die jetzt mit dem Hinweis: Es läuft schon wieder. beantwortet werden können.
11:44:20
Die Arbeit im virtUOS normalisiert sich wieder.

Grund für den Ausfall: Beim Umstellen der LDAP-Authentifizierung auf einen anderen Systemaccount hatte sich ein Syntaxfehler in die Datei local.inc eingeschlichen und wurde sofort korrigiert.

Mission kann weitergehen.

Eleven-Fiftynine

18.10.2006

11:59 ist nicht nur einer der besten Songs von Blondie, sondern auch eine dramatische Deadline:

Hallo Herr Bohnsack,

ich habe mich gestern angemeldet und kann mich auch an mein passwort erinnern, doch studip sagt, dass es meinen benutzernamen nicht gibt, ich habe nur noch bis 23.59 zeit mich für die deutschvorlesungen einzutragen was soll ich nun tun ?????

Ich würde ja gerne helfen, obwohl ich für sowas nun wirklich nicht zuständig bin, aber ein großes Herz für verzweifelte Erstis habe.

Aber: ohne einen Hinweis darauf, um welches Stud.IP an welcher Hochschule es sich handelt, kann ich die Mail nicht mal an die zuständigen Admins vor Ort weiterleiten.

Was in diesem Fall aber auch egal gewesen wäre: die obige Mail kam bei mir um 23.37 Uhr an.
:-(

Rage against the machine

17.10.2006

Manchmal baut sich Frust auf, der sich (oft ungerechtfertigter Weise) gegen Stud.IP richtet und dann irgendwo hin muß – aber warum ausgerechnet an meine Adresse? Seit gestern Abend werde ich von erbosten Studierenden einer Installation mit Mails und Anrufen überschwemmt. Da ich mittlerweile nicht mehr alle beantworten kann, nun eine Erklärung per Blog.

Die aufgeregteste Mail traf letzte Nacht ein – und ich kann den Frust, der darin zum Ausdruck kommt, gut nachvollziehen:

Hallo Herr Bohnsack, die Dauer des Aufbaus der Internetseiten für die Anmeldung für die einzelnen Vorlesungen ist eine einzige Katastrophe! Was wollen Sie Ihren Studierenden denn noch zumuten? Wann sollen sie denn noch Zeit zum Studieren haben, wenn sie stundenlang am PC hocken müssen, um sich für die einzelnen Vorlesungen anzumelden? Werden hierfür Studiengebühren gezahlt? Das ist doch wohl ein Witz, oder?
(…)
Sitze seit 20 Uhr am PC und versuche, mich für eine Vorlesung anzumelden!!! Das darf doch nicht wahr sein!!!! Mit der Anmeldung hat es natürlich nicht geklappt. Es wird Zeit, daß Sie sich Alternativlösungen für die Studis einfallen lassen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Dazu sollte man unbedingt wissen, dass Stud.IP KEIN monolithisches System ist, dass von data-quest für alle Hochschulen betrieben wird.

Stud.IP ist Open-Source-Software.
Jede Hochschule nutzt die Software nur für sich, deshalb gibt es nicht eine, sondern über 60 Installationen allein in Deutschland. data-quest ist eine Firma, die Support und Beratung anbietet, aber KEINEN unmittelbaren Einfluss auf die eingesetzte Hardware an den einzelnen Standorte hat und auch nicht für die Workflows der Hochschulen veranwtortlich ist.

Für Beschwerden und Nachfragen sind IMMER die Administratoren vor Ort zuständig!

Meist sind solche Frusterlebnisse wie das in der zitierten Mail ohnehin nicht nur in unterdimensionierter Hardware begründet – oft kommt einfach noch ein Fehler in der Organisation dazu, gerade am Anfang eines Semesters.

Man stelle sich vor, verschiedene Fächer mit zusammen 5000 Studierenden sagen “So, liebe Leute, jetzt meldet Euch für unsere Veranstaltungen an. Das geht von heute Abend um 20 Uhr bis morgen um 12 Uhr, wer sich bis dahin nicht eingtragen hat, bekommt auch keinen Platz.”

Die Folgen kann man sich auch mit wenig Phantasie ausmalen: muss der Stud.IP-Server sonst vielleicht nur 50-80 User gleichzeitig bedienen, bricht er nun unter dem Ansturm von 5.000 Leuten zusammen.

data-quest hilft und berät die einzelnen Hochschulen gerne, um solche Situationen zu vermeiden, denn das lässt sich mit geschicktem Timing und einigen Optimierungen alles in den Griff bekommen.

Im konkreten Fall wussten die Kollegen des betreffenden Standortes aber genau was sie taten, und hätten sich alle weiteren Beteiligten an die Spielregeln gehalten, hätte es dieses Erlebnis gar nicht erst gegeben.

Denoch ist klar: der Verfasser der obigen Mail hat, auch wenn der Tonfall unpassend und ich der falsche Adressat war, im Kern recht: sowas soll und darf nicht passieren.

Aber “an der Hochschule ist es wie auf der Autobahn”, pflegt ein Bekannter immer zu sagen: “Einer schert immer raus” – und genau diese Renegaten haben jetzt eine ganze Hochschule in Chaos und Frust gestürzt.

Das ist mehr als Schade, weil auch Stud.IP dadurch einen schlechten Ruf bekommt – und der Erfolg des Systems beruht ja gerade auf der Tatsache, dass es unter Studierenden einen guten Ruf hat.

Elitewundern

13.10.2006

Kann mir jemand erklären warum das als Eilmeldung erscheint?


Ick wunder mir…
“Eilmeldungen” behält SPIEGEL-Online normalerweise Flugzeugabstürzen vor.

Monsters in Münster

12.10.2006

Wieder zurück vom CampusSource-Workshop!

Ja, es war launig – drei Tage lang Vorträge zu aktuellen E-Learnig-Szenarien, zwei Tage lang Ausstellung der CampusSource-Developers (zu denen Stud.IP natürlich auch zählt), einen Tag Vorstellung der Neuheiten der Systeme, eine Nacht lang Spaß, nebenbei nette Leute wie Herrn D. und Frau M. aus dem H., Herrn E., Frau T. und Herrn TT aus OS und Frau W. aus H. an der T. wieder getroffen.
Allgemein: weniger Beteiligung als im letzten Jahr – und die Messe war mehr als ernüchternd.
Aber der Reihe nach:

Der CampusSource-Workshop sollte aus drei Teilen bestehen: Vorstellungen der Systemneuheiten, Vorträgen zu E-Learnig & der Austellung der CS-Entwickler.

Schön: alle CampusSource-Entwicklungen (9 Plattformen, 8 Tools) waren vertreten.
Weniger schön: am ersten von drei Tagen sollten die Neuigkeiten ALLER CS-Systeme vorgestellt werden.

Dummerweise hielt sich auch kaum jemand an die Vorgabe von 15 Minuten pro System – in epischer Breite wurde bis zu 35 Folien aufgelegt, zu jeder Folie mindestens 3 Minuten gesprochen, die Software in jeder Einzelheit (jawohl, wir sind jetzt Datenbankbasiert!) gepriesen – den Verzug im Zeitplan mag man sich vorstellen, genau wie die Verstimmung des Publikums, welches irgendwann schlicht die Grenzen der Aufnahmekapazität erreichte.

Einzig die Vorträge von ComSy und Stud.IP haben sich an die Abmachung (15 Minuten, nur Neuheiten) gehalten und schon allein dadurch einen guten Eindruck hinterlassen.

Gerade unserer hat dennoch gute Resonanz hervorgerufen, nicht nur, weil er kurz war und vermittels belustigernder Illustrationen am Einschlafen hinderte, sondern weil das Thema “E-Learning und Recht” eingige aufrüttelte. Gerade “Unsichtbarkeit von Nutzern” war für diejenigen interessant, die schon gemerkt haben, dass es sowas wie Datenschutz gibt.

Für eine atemlose Pause im Saal sorgete noch die mysteriöse Ankündigung, dass eines der “NEXT BIG THINGs” von Stud.IP sehr interessant für all diejeingen seinn könnte, die HIS-Produkte noch nicht einsetzen oder davon weg wollen.

Apropos HIS: Herr Dr. Hübner war ebenfalls in Münster und hielt einen sehr bewegenden Vortrag über die HIS-Pläne bis 2010 und darüber hinaus.
Da eine der HIS-Prinzipien iterative und kundenorientierte Workflows sind, gab es allerdings keine Termine (verbindliche oder unverbindliche) für irgendwelche Entwicklungen zu vermelden. Termine gehen zu Lasten der Qualität der Software, und das will doch niemand.
- den Quantensprungzeitbeschleuniger hat halt noch niemand erfunden.

Sehr interessant war der Austausch mit Kollegen: was so in Kamerun und den USA abgeht ist mehr als griffig, von deren Überlegungen können sogar aktuelle Projekte zwischen Wiehengebirge und Witzenhausen profitieren.
Und auch zwischen den deutschen OS-Plattformen kann sich noch Spannendes ergeben (Stichwort: deutsches Sakai-Projekt).

Von daher hat sich diese Außenmission gelohnt – dummerweise hat sich kaum einer der Teilnehmenden für die Ausstellung interessiert- unser schnuckiger Messestand war daher vermutlich umsonst. Ach ja, wo wir gerade bei Stand und Organisation sind: die funktionierte wirklich reibungslos – ein großes Lob an die Organisatoren, insbesondere an den unersetzbaren Stefan Neveling und sein Team helfender Hände.

E Learning Platt Form

11.10.2006

Der Orthograph in mir kann nicht länger schweigen. Von der CampusSource-Tagung wird inhatlich noch zu berichten sein, aber was mir auf großen Plakaten entgegensprang, lässt mich nicht in Ruh.

“Open Source e-Learning Plattformen und Werkzeuge für Ihr Wissensmanagement.”

Hallo Bindestrich? Gestern zu lang gefeiert und es heute nicht mehr aufs Plakat geschafft? Die E Learning Branche scheint besonders an fällig zu sein für das Deppen Leer Zeichen, wie mir schon häufig auf gefallen ist. Nicht, dass je mand nach her behauptet, ich würde die Kollegen von der Campus Source Initiative im Besonderen durch den Kakao ziehen wollen. Das machen alle so.

What to the vulture sind z.B. online Kursteilnehmer? Die können im Gegen Satz zu Onlinekurs-Teilnehmern nicht mal offline sein, z.B. um mal für kleine König’s Tiger… oder so. Da für können sie aber on line bei einem off line Kurs im Lern Management System Teil nehmen.

So eine Lern Platt Form ist eh ein kompli ziertes Ding, was man da nicht alles vorher beachten muss: Prozess Ketten Optimierung, Work Flow Management, E Learning Incentives, Nutzer Support Zentren, Cost Benefit Analysen, Online Material Auto Renn Systeme und, und, und. Klar, dass da runter die ortho Graphie leidet. Aber dann bitte kon sequent: “Open Source E Learning Platt Formen und werk Zeuge für Ihr Wissen Management.”

Mehr unter: http://www.deppenleerzeichen.de

Dirk is gone

11.10.2006

Andere haben es auch erkannt…

Etwas Besseres konnte uns gar nicht passieren, vor dreieinhalb Jahren, als wir Stud.IP für die Uni Osnabrück entdeckt haben und tatkräftige, vor allem aber begeisterte Hände suchten, die bei der Verbreitung mithelfen. “Ihr habt doch den Dirk”, erklärte mir Ralf Stockmann gleich beim ersten Telefongespräch.

Also haben wir Dirk als Hilfskraft eingestellt. Der hatte nämlich vorher in Göttingen studiert, Blut geleckt und dann in Osnabrück auf eigene Faust versucht, ein ganzes Fach auf die Seite des Guten und Schönen zu ziehen. Das ist ihm auch mit flammendem Eifer und kaum zu bändigender Begeisterung überraschend gut gelungen. Solche Leute muss man erstmal haben, haben wir uns gedacht und ihn gerne auf ahnungslose Dozenten und noch unbekehrte Studierende losgelassen.

Jetzt hat Dirk sein Studium erfolgreich abgeschlossen und einen Referendariatsplatz bekommen. Ein Verlust für uns, auch wenn wir ihm persönlich natürlich alles Gute wünschen. Und wer weiß, ob nicht demnächst eine niedersächsische Berufsschule aus heiterem Himmel den dringenden Wunsch entwickelt, Stud.IP nutzen zu wollen. Nein: zu müssen!

Viel Erfolg, Dirk, und vergiss uns nicht!

Kuchen und Holzstücke

09.10.2006

… suche ich gerade als Grafiken raus, um damit zu illustrieren, dass Stud.IP nun auch Torten- und Balkendiagramme bei Evaluationsauswertungen ausgibt.

Ja, der Vortrag morgen in Münster auf dem CampusSource-Workshop wird sehr launig werden.
Bin schon sehr gespannt: CampusSource hat extra das Münsteraner Schloß angemietet, um Neuheiten der CS-Systeme vorzustellen und über die Möglichkeiten des E-Learning zu informieren. Großer Bahnhof!
Klar, dass Stud.IP auch dabei ist.
Ich frage mich nur gerade, wie ich all die Neuerungen, die im Verlauf des letzten Jahres hinzugekommen sind, in einem knappen Vortrag unterbringen soll. Naja, Interessenten haben mehr als genug Gelegenheit zum Nachfragen; ich werde Stud.IP drei Tage lang an einem eigenen Stand präsentieren.

Persönlich freue mich vor allem schon darauf die anderen Entwickler mal wiederzutreffen.
Wenn ich denn nach Münster überhaupt hinkomme – die Mistkrücke von Auto verliert Benzin! Wenn die Werkstatt das heute Vormittag nicht hinbekommt, werde ich wohl laufen müssen. :-(