The Sprache of eLearning

Emaille - Judit Sauerland
Zeichnung: Judit Sauerland

Das Wort „eLearning” bezeichnet etwas Modernes, denn es besteht aus einem kleinen e und etwas großem Englischen. So wie eCommerce, eBook, eGovernment, ePaper, eConnectivity, eConsulting, eCruiting, eDating, eWaste-Recycling, eCompetence, eLiteracy, eProcurement, eCollaboration, eLogistics oder eVoting. Gehen die E-Learning-Aktivisten zu sorglos mit der deutschen Sprache um oder gibt es gute Gründe für alle die englischen Begriffe?

Bei der elektronischen Post sieht es mit der Schreibung schon etwas anders aus. Niemand schreibt doch heute noch „eMail”. Lieber EMail oder gar Email. Der Duden will E-Mail, denn das dazugehörige Verb heißt schließlich nicht emaillieren, sondern … emailen? eMailen? Nein, E-Mail ist schon so etabliert, dass das e sogar entfallen darf. Eine Mail forwarden, ein Attachment mailen, beim Surfen schnell noch Mails checken. Wer tut das nicht?

Per U-Boot zum E-Learning

Der Sprachkritiker weiß: Selbstverständlich gehört das alles mit E- geschrieben. So wie U-Boot, S-Bahn, D-Zug oder E-Werk. Das sind solide Dinge. Einem dZug würde niemand vertrauen – bei einem InterCityExpress sieht das interessanterweise schon anders aus. Suggeriert nicht „E-Learning” bleierne Seriosität? Springt nicht „eLearning” Sie hingegen an und ruft: „Hey, ich bin fresh, ich bin der Hype! Gestern hieß ich vielleicht anders, morgen bin ich vielleicht tot. Spring auf und lebe jetzt!”

Sind Sie immer noch nicht überzeugt, dass educational blogging ein must have ist? Dass technology enhanced learning und instructor led teaching sich nicht ausschließen? Dass Videoconferencing unter Cost-Benefit-Gesichtspunkten Rich-Media-Content überlegen sein kann und außerdem social incentives bietet, die eTeaching, eTutoring und selfpaced learning wirklich rewarding machen? Dass mit massively multiplayer online role playing games (MMORPGs) unsere Kids game based eLearning längst leben?

Sind sie ein early adopter?

Oder ärgern Sie als heimlicher early adopter sich maßlos, den Begriff „blended learning” nicht erfunden zu haben, obwohl Sie das schon seit 1999 praktizieren? Sie grübeln noch über den Unterschied zwischen klassischen Learning-Management-Systemen und Web-Based-Learning-Content-Management-Systemen? Verpassen Sie gerade die Diskussion um rapid eLearning? Überlegen Sie hin und her, ob nicht auch Sie ein Blog brauchen, weil niemand mehr eine „Homepage” hat? Dabei ist blogging längst out, podcasting auch: vlogs werden demnächst das Fernsehen ablösen!

E-Learning- und Denglisch-Bashing ist einfach, sozial akzeptiert und lustig. Cave! Schaum wird überall geschlagen. Wer mutmaßt, dass all der glitzernde E-Learning-Schaum nur davon ablenken solle, dass außer Schaum nichts sei, macht es sich zu einfach.

Elektronische Medien und elektronische Kommunikation haben unsere Gesellschaft verändert und verändern auch unsere Universität. Das wirbelnde E-Learning-Geschäft beginnt sich zu konsolidieren. Die derzeit spannendsten Entwicklungen sind nicht (mehr) von technischem Fortschritt gesteuert: Blogs (keine Sorge, die sind nicht wirklich out) hätte es technisch schon vor 10 Jahren geben können. Doch es dauert seine Zeit, bis technische Möglichkeiten ausgelotet sind, sich Sinnvolles von Sinnlosem trennt. Das Spielen mit immer neuen Begriffen und Moden gehört dazu.

The Sprache of E-Learning

Wir bemühen uns – bei der Stud.IP Entwicklung im Ganzen und in diesem unseren kleinen, feinen Blog im Besonderen – für Sie ein wenig vorzusortieren, gemäßigt und bewusst mit der Sprache of E-Learning umzugehen und Wissenswertes allgemeinverständlich darzustellen. Krampfhaftes Eindeutschen aller Begriffe erschwert jedoch die Diskussion, verwirrt und raubt Manchem den zwinkernden Charme des optimistischen Suchens nach Wegen in die Zukunft. Also: Wenn Sie und Ihre Buddys nicht hoffnungslos vernoobt bleiben wollen, loggen Sie sich ein und formen Sie das, was jetzt E-Learning heißt, mit.

Dieser Artikel ist in leicht abweichender Fassung zuerst erschienen in:
learnmedia@uos.de – Informationen, Diskussionen und Praxisberichte rund um elektronisch unterstütztes Lernen und Lehren in Osnabrück.
Ausgabe 1, 2006, S. 16.

Ein Gedanke zu „The Sprache of eLearning

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