#7 Geringstmögliche technische Anforderungen für NutzerInnen.

Ich durfte längere Zeit mit einer Web-Anwendung arbeiten, die ein komplexes Zusammenspiel aus Javascript, Real-Player und SVG-Plugin realisiert hat, um wirklich tolle Dinge zu leisten. Oder sagen wir bessern: Hätte dürfen. Wenn mich die permanenten Plugin-Download-Aufforderungen, Plugin-Versionsproblem-Meldungen und Browserinkompatibilitäten nicht hartnäckig davon abgehalten hätten. Ich hatte den Eindruck, dass eine der Komponenten immer veraltet war, egal, wann ich das System genutzt habe.

Prinzipiell lässt sich auch als Web-Anwendung fast alles realisieren, was man sich erträumen könnte. Insbesondere für die Entwickler ist es einfacher, sich dabei auf mehr als HTML stützen zu können. Oder exotische Browser außen vor zu lassen. Aktuelle Versionen von jedem und allem zu fordern.

Aber wie sieht das bei den NutzerInnen aus? Jedes zu installierende Plugin, jede Browser-Einschränkung schafft Hürden. Stud.IP ist ein Informations- und Kommunikationssystem, das mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen genutzt wird. Zum Beispiel von einem beliebigen Rechner unterwegs. Da lassen sich keine Plugins installieren. Sollte man deshalb jemanden davon ausschließen, sich für eine Veranstaltung anzumelden?

Deshalb lautet der siebte und letzte Punkt der Stud.IP-Philosophie:

Stud.IP erfordert neben einem Internetzugang und einem Webbrowser keine besonderen technischen Voraussetzungen. Das System ist mit jedem aktuell verbreiteten Browser nutzbar, Javascript und besondere Plugins werden für die Grundfunktionen des Systems nicht benötigt.

Wir nehmen das ernst. Wirklich. Stud.IP lässt sich auch mit Urlaut-Netscapes der Versionen 4.7 (Baujahr 1999) bedienen. Nicht perfekt und manches sieht etwas unschön aus. Aber es funktioniert. Wer jetzt gähnt, laut „Web 2.0!“ schreit und sich fragt, wer denn sowas Prähistorisches noch benutzt, dem sei gesagt: Wir finden häufig Sekretariatsrechner, die seit der Jahrtausendwende kein Browserupdate mehr gesehen haben.

Derart alte Browser sind aber nicht der Hauptgrund für die geringen technischen Anforderungen. Beispiel Javascript: Wir wollen weder NutzerInnen mit wenig verbreiteten Browsern aussperren, noch die, die aus Sicherheitsbedenken Javascript abgeschaltet lassen wollen. Darum funktioniert Stud.IP auch ohne Javascript. Etwas unbequemer, aber es tut alles Notwendige. Jetzt zeigt der „Web-2.0!“-Rufer wieder auf. Modernes Web heißt doch Ajax und Drag und Drop und volldynamisch und das ganze eben wie eine Desktopanwendung. Das geht nicht ohne Javascript. Wer darauf verzichtet, baut altbackene, langweilige Sachen.

Das mag stimmen, ein bisschen. Deshalb gibt es ab Version 1.6 auch Ajax-Effekte in Stud.IP. Und eine verbindliche Regelung für den Umgang mit Ajax, die als StEP101 beschlossen wurde. Darin heißt es: „Das System muss weiterhin auch ohne Java-Script vollständig bedienbar bleiben.“ Das heißt: Tolle Web-2.0-Effekte — Ja. Aber: Es muss immer noch einen Weg ohne geben. Der kann etwas umständlicher sein, aber – auch wenn das für die Entwickler doppelten Aufwand bedeutet – ohne geht es nicht.

Für Plugins gelten diese harten Auflagen übrigens nicht zwangsläufig. Überlegen Sie deshalb als Betreiber gut, ob Sie Ihren NutzerInnen mit installierten Plugins Steine in den Weg legen, die der Einsatzzweck nicht rechtfertigt.

Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung zu #6 Unterstützung für alle statt Spezialfeatures für wenige.

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