Die Menschen hinter Stud.IP: Rasmus Fuhse

Mit der Reihe „Die Menschen hinter Stud.IP“ wollen wir dem Stud.IP-Projekt wortwörtlich mehr Gesicht geben. Die Menschen, die sich als Entwickler, im Stud.IP-Verein oder auf vielen anderen Wegen besonders intensiv darum bemühen, Stud.IP zu verbessern, kommen selbst zu Wort.

Rasmus Fuhse, Jg. 1982, Core-Group-Mitglied aus Göttingen. Zuständig für Javascript, beherzten Pragmatismus und Mathematisches

1. Kannst du dich noch an deine erste Begegnung mit Stud.IP erinnern? Was war dein erster Eindruck und wie kam es dazu, dass du vom reinen Nutzer zum Mit-Macher geworden bist?

Ich war 2003 im zweiten Semester und irgendein Professor der Mathematik hat Unterichtsmaterial in ein System gestellt, das sich Stud.IP nannte (und niemand wusste, wie man das korrekt aussprechen soll). Bei dieser einen PDF-Datei blieb es für einige Zeit. Aber da ich im zweiten Semester schon Dinge zu bearbeiten hatte, die es wert waren, sich mit anderen Dingen davon abzulenken, bin ich einfach durch dieses Stud.IP gestriffen und habe mir angeschaut, was das System noch so kann. Da gab es persönliche Homepages, Umfragen, News, Gästebücher, Chats, einen Messenger und vor allem Nutzer, die auch online waren. Es dauerte wohl einen Monat, bis ich komplett süchtig danach war, mit völlig fremden Menschen im Kulturforum zu diskutieren, ihre Umfragen zu beantworten, neue Leute kennen zu lernen und so weiter. Das war damals das, was heute Facebook ist. Und ich habe tatsächlich einige Freunde kennen gelernt, mit denen ich auch heute noch gut befreundet bin.

Nach meinem Diplom fiel meine Bewerbungsphase in die Finanzkrise und Jobs für Mathematiker waren rar. Da ich keine Lust hatte, komplett ohne Arbeit zu sein, während ich die Krise aussitzen musste, habe ich die Firma, die hinter Stud.IP steckt (data-quest) gefragt, ob ich für die mal was programmieren soll oder kann. 10 Minuten nach Abschicken der Mail wurde ich angerufen und einen Tag später hatte ich eine unbefristete Stelle bei data-quest bekommen. Hier kann ich den ganzen Tag im Stud.IP verbringen und werde auch noch dafür bezahlt! Voll cool. Das macht mir den Job ziemlich angenehm, auch wenn er nicht so viel mit meinem Studium zu tun hat.

2. Was ist heute deine Rolle im Stud.IP-Team?

Heute bin ich Beauftragter für Javascript in Stud.IP bei den Kernentwicklern. Wenn der Dateibereich oder die Neuigkeiten nicht mehr plötzlich aufklappen, sondern langsam nachgeladen werden, bin ich dahinter verantwortlich. Die Schnellsuchen habe ich komplett neu gemacht. Aber beruflich bin ich die meiste Zeit mit Plugins beschäftigt, die nur in manchen Stud.IP-Installationen zum Einsatz kommen. Der normale Nutzer, meine Freunde, sehen also nur wenig von meiner Arbeit, was natürlich schade ist.

3. Benutzt du Stud.IP eigentlich selbst? Wofür?

Ich benutze Stud.IP in der Firma intern zum Erfassen von meiner Arbeitszeit und als Koordination mit den anderen Kernentwicklern. Ansonsten schaue ich ab und an noch in meinen Studienaccount rein. Aber da passiert nicht mehr viel, was vielleicht auch gut ist. Mehr als acht Stunden am Tag sollte man vielleicht auch nicht mit Stud.IP verbringen.

4. Wenn du einen Wunsch frei hättest für etwas, dass Stud.IP über Nacht besser, anders oder überhaupt kann: Was wäre das?

Stud.IP müsste wieder mehr für die Studenten da sein anstatt für die Administratoren. Dafür fehlt aber das Geld. Wenn die Leute an der Uni fragen, was man an Verbesserungen in Stud.IP einbauen soll, dann reden sie immer mit den Admins des Systems und deswegen wird das meiste im Verwaltungsbereich erneuert und verbessert. Den Messenger, den Chat, die Homepages, die Seminarübersichtsseite des Nutzers – das alles müsste man mal dringend neu machen, damit es den modernen Nutzungsgewohnheiten entspricht.

5. Welche Software oder Webdienste benutzt du gerne, an welchen Softwareprojekten arbeitest du mit – abgesehen von Stud.IP?

Im Netz benutze ich die üblichen Kommunikationskanäle wie Facebook, Google+, Twitter und lese natürlich Nachrichten. Richtig begeistern konnte mich im letzten Jahr allerdings nur Jamendo.de, eine Seite, bei der es CreativeCommons Musik kostenlos zum runterladen und privaten Gebrauch gibt. Da fließt sehr viel Kreativität von freien Bands zusammen, die man in den Charts seit einiger Zeit vermisst.
Ich selbst baue in der Freizeit noch eine eigene Kommunikationsplattform, die für ein Strategierollenspiel verwendet wird. Das ist aber ein eher kleines Projekt.

6. Wenn weder Stud.IP noch Job anstehen – was macht dir Spaß, gibt dir neue Energie und macht für dich das Leben lebenswert?

Sport, Filme, Rollenspiel und ich mache auch selbst Musik.

7. Wo steht ihr in 5 Jahren – also du und Stud.IP?

Keine Ahnung. Ist Stud.IP das beste System der Welt? Ich denke nicht. Gut möglich, dass irgendwann was Neues da ist und ich dann woanders arbeite. Aber bisher sieht es gut aus und ich habe noch Spaß bei der Arbeit. Und solange bleibt es erst einmal dabei.

 

Das Interview führte Tobias Thelen.

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