Die Menschen hinter Stud.IP: Tobias Thelen

Mit der Reihe „Die Menschen hinter Stud.IP“ wollen wir dem Stud.IP-Projekt wortwörtlich mehr Gesicht geben. Die Menschen, die sich als Entwickler, im Stud.IP-Verein oder auf vielen anderen Wegen besonders intensiv darum bemühen, Stud.IP zu verbessern, kommen selbst zu Wort.

Tobias Thelen, Jg. 1972, ehemaliges Core-Group-Mitglied aus Osnabrück. Bis vor kurzem zuständig für den Hilfe-Server, Entwickler-Dokumentation, Entwickler-Regeln, große Ideen und Philosophisches.

1. Kannst du dich noch an deine erste Begegnung mit Stud.IP erinnern? Was war dein erster Eindruck und wie kam es dazu, dass du zum Mit-Macher geworden bist?

Das war im Februar 2003, als ich einem Kollegen das Campussource-Portal zeigen wollte. An der Uni Osnabrück hatten wir damals gerade eine kommerzielle Lernplattform im Testbetrieb, mit der wir nicht sehr zufrieden waren. Stud.IP hat mich ganz spontan angesprochen, weil es ganz offensichtlich einen Gestaltungswillen gab und nicht nur die üblichen zusammengeklatschten HTML-Formulare. Auf den zweiten Blick hat mich begeistert, dass der Alltag deutscher Hochschulen super unterstützt wird. Das fängt bei Begriffen an – dass es überhaupt Semester, Fakultäten und Seminar gibt, war bei den anderen Plattformen schlichtweg nicht der Fall. Diesen pragmatischen Ansatz finde ich ganz wichtig: Etwas bieten, das eigentlich allen Lehrenden und Studierenden etwas bringt können, nicht nur denen, die sich viele und aufwendige Gedanken um E-Learning gemacht haben.

Ein paar Tage später habe ich mal in den Quellcode geschaut und meine erste Erweiterung eingebaut, das Wiki. Zum Glück konnte Stud.IP unsere Hochschule überzeugen, so dass wir in Osnabrück jetzt seit 8 Jahre fleißig mitentwickeln.

2. Was ist heute deine Rolle im Stud.IP-Team?

Meine offizielle Rolle als Core-Group-Mitglied musste ich leider vor kurzem aufgeben, weil ich derzeit zu viele andere berufliche Verpflichtungen habe. Dem Projekt fühle ich mich aber weiterhin sehr verbunden und versuche in anderer Weise nützlichen Input zu liefern: Als Dozent, der das System im Lehralltag nutzt und als E-Learning-Entwickler, der intensiv auch mit anderen Systemen arbeitet  (manchmal eher: arbeiten muss) und Lehr- und Lernszenarien außerhalb von Hochschulen untersucht.

3. Benutzt du Stud.IP eigentlich selbst? Wofür?

Ich bin seit drei Semestern glücklicherweise wieder verstärkt selbst in der Lehre tätig und nutze für meine Informatik-Vorlesungen und -Übungen Stud.IP intensiv als Kommunikations- und Organisationswerkzeug. Es ist immer wieder erstaunlich, wie selbstverständlich das für alle Beteiligten in den letzten 8 Jahren geworden ist und wie z.B. hervorragend solche Dinge wie die Einbindung von Vorlesungsaufzeichnungen funktionieren. Ich stelle aber auch immer wieder fest, dass es viele Funktionen, die ich als Dozent gerne hätte, einfach nicht gibt.

4. Was sind denn das für Funktionen, die dir fehlen? Wenn du einen Wunsch frei hättest für etwas, dass Stud.IP über Nacht besser, anders oder überhaupt kann: Was wäre das?

Ich lege viel Wert auf ein ordentliches Vorlesungsskript, auf Beispielcode, Übungsaufgaben mit Musterlösungen usw. Das Script kann ich gar nicht in Stud.IP entwickeln, sonder muss dafür ein externes System verwenden und den Rest meiner Vorlesungsumgebung muss ich jedes Jahr wieder neu aufbauen. Mit dem Übungsplugin Vips kann ich keine Dateien abgeben und meine Dateien und andere Inhalte der Veranstaltung nicht selektiv nach außen freigeben.

5. Stud.IP soll ja vor allem ein vielseitiges und anregendes Werkzeug für die Nutzer sein und sie nicht in zu enge Bahnen lenken. Welche aus Entwicklersicht unerwartete Stud.IP-Nutzung hat dich besonders überrascht?

Die größte Überraschung lag für mich ganz am Anfang, als wir Stud.IP nur in wenigen Lehrveranstaltungen und ganz ausdrücklich nur testweise angeboten haben. Ganz schnell hat sich eine Gruppe von Geographie-Studierenden und –Lehrenden gefunden, die daraus eine Plattform gemacht hat, über die sie ihren Protest gegen die drohende Schließung und Verlagerung des Faches erfolgreich organisiert haben. Mir hat das gezeigt: So ein Kommunikationssystem für Hochschulen trifft eine Lücke, auf die die Menschen nur gewartet haben.

Eine zweite Überraschung sehr viel später war, dass die Studiengruppen tatsächlich so gut angenommen werden und die Studierenden darin ein Werkzeug sehen, dass ihnen für ihr Studium etwas bietet, was Facebook, StudiVZ und Co. nicht können. Sie machen Stud.IP (wieder mal) zu einem Ort, wo Studierende sich vernetzen um gemeinsam zu lernen.

6. Welche Software oder Webdienste benutzt du gerne, an welchen Softwareprojekten arbeitest du mit – abgesehen von Stud.IP?

Ich benutze gerne eine UNIX-Shell mit vi-Editor, um in Python zu programmieren oder an LaTeX-Dokumenten zu basteln. Ich freue mich jedesmal über Picasa, wenn ich es benutze. WordPress finde ich angenehm, bei PmWiki  begeistert mich immer wieder die Einfachheit des Systems, mit der so vieles möglich wird und natürlich fühle ich mich in Stud.IP wohl.

Als Entwickler befasse ich mich mit Moodle, WordPress und PmWiki, allerdings in allen Fällen nur als Plugin-Entwickler, der höchstens mal einen Bugfix zum Release beisteuert. In Python verfeinere ich immer wieder einen selbstgebauten Webserver samt MVC-Framework, den ich in meinen Vorlesungen zu Anschauungszwecken verwende.

7. Wenn weder Stud.IP noch Job anstehen – was macht dir Spaß, gibt dir neue Energie und macht für dich das Leben lebenswert?

 Vor allen Dingen meine Familie, Reisen, Wandern, Radtouren, gute Bücher, gute Musik, gute Luft.

8. Wo steht ihr in 5 Jahren – also du und Stud.IP?

 Dank des eCult-Projektes, das für die nächsten 5 Jahre eine ganz gute Finanzierung bereitstellt, hat Stud.IP eine Riesenchance dringend zu Modernisierendes anzupacken und sich in seiner eigenen Nische weiter gut gegen Campus-Management, reine Lernplattformen und Social Networks abzugrenzen. Ich hoffe, dass Stud.IP auch außerhalb von Hochschulen gut passt und ich es in den nächsten fünf Jahren in vielen Projekten einsetzen und damit auch insgesamt voranbringen kann.

 

Tobias Thelen interviewte sich selbst.

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