#1 Ein offenes kommunikatives System für alle.

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Raffael: Die Schule von Athen

Platon, Aristoteles, Euklid, Diogenes, Pythagoras und Zarathustra, um nur einige zu nennen, waren schlaue Kerlchen, die sich betimmt allerlei zu erzählen gehabt hätten. Aber damit sie sich zu einer gemütlichen Klönrunde treffen konnten, mussten sie ein gutes Dutzend Jahrhunderte warten, bis Raffael sie in der Schule von Athen versammelte. Heute nennt man dergleichen virtuellen Raum oder prosaischer: Kommunikationsplattform. Die überbrückt zwar keine Jahrhunderte, aber sie führt Menschen zusammen, die sich nicht zur gleichen Zeit am gleichen Ort aufhalten. Der Vergleich mit Größen der Antike und Rennaissance mag etwas pathetisch daherkommen, aber auch hier geht es um etwas Grundlegendes. Die Stud.IP-Philosophie.

Mit der Umstellung auf das neue Entwicklungsmodell im letzten Jahr habe ich gewagt die Frage zu stellen: Was sind eigentlich die Grundsätze von Stud.IP? Das, was für uns die Seele der Software darstellt? Das, was bei allen Erweiterungen, Umbauten und Ergänzungen nicht verloren gehen darf? Herausgekommen ist nach erstaunlich kurzer Diskussion eine Liste von sieben Grundsätzen. Deren erster lautet:

Ein offenes kommunikatives System für alle.

Stud.IP-Nutzer sind nicht allein in den Weiten des Netzes, sondern haben die Möglichkeit, sich im Austausch mit anderen einzubringen. Aktivität steht gegenüber passiver Informationsaufnahme im Vordergrund. Alle NutzerInnen haben die gleichen Grundfunktionen und werden gleichrangig behandelt.

Die Frage „Ja, was denn sonst?“ ist nur ansatzweise angebracht. Zwar hat heute auch der letzte E-Learning-Prophet gemerkt, dass neue Schläuche den Nürnberger Trichter nicht plötzlich zu etwas machen, das erfolgreich Wissen und Bildung in die Köpfe der Menschen bringt. Lernen ist ein sozialer Prozess und E-Lernen ergo ein sozialer elektronischer Prozess, der nach adäquaten elektronischen Ausdrucksmöglichkeiten verlangt. Die Natur hat die Menschen ohne Ansehen ihrer Rolle mit den gleichen Grundfunktionen ausgestattet und sie überlässt es ihnen, die Regeln ihrer Kommunikation selbst auszuhandeln. Aber dennoch folgt die Masse der E-Learning-Software einem anderen Modell, das vorgefertigtes Wissen in den Mittelpunkt stellt und sich angestrengt bemüht, den Konsumprozess in leicht handhabbare Bahnen zu lenken. Als spiced ham der kostengünstigeren Massenversorgung wegen in Dosen gepresst unters Volk geworfen wurde, hielt man das für eine revolutionäre Ernährungsidee. Heute ist Spam zum Inbegriff für unverdauliche „Information“ geworden, mit der wir von allen Seiten unerwünscht und ohne Abwehrmöglichkeit beworfen werden. Wollen wir hoffen, dass dem Begriff E-Learning nicht das gleiche Schicksal widerfährt.

Wir glauben nämlich an die Schule von Athen, den virtuellen Ort, an dem Menschen voneinander und miteinander lernen und der die realen Orte, an denen wir miteinander reden und einander zuhören, ergänzt. In seinem Kern ist Stud.IP für uns ein solcher Ort.

Dieser Beitrag wird fortgesetzt in: Studierende erst nehmen.

2 Gedanken zu „#1 Ein offenes kommunikatives System für alle.

  1. SGMI

    Nun gibt es Stud.IP ja nicht erst seit gestern. Aber der vorliegende Post veranschaulicht den Sinn der Idee auf eine wirklich recht poetische Weise: ein Ort, an dem man unabhängig von Ort und Zeit voneinander lernen kann. Schön, dass die Entwicklung fast 8 Jahre später gezeigt hat, dass diese Idee zukunftsfähig war und weiterhin sein wird. Immerhin wird Stud.IP mittlerweile flächendeckend genutzt. Wobei die Qualität der Kommunikation natürlich immer von den Teilnehmenden abhängt. Und da hapert es meiner Meinung nach immer noch an einigen Stellen. Die Verantwortung liegt also auf uns- die diese Idee benutzen um sich weiter zu entwickeln und sich auszutauschen.

  2. Pingback: Stud.IP-Blog » Blog Archive » Die Stud.IP-Philosophie

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