Ein z auf Urlaubsreise im Ei-Pieh

Danke für die konstruktiven Kommentare zum letzten Eintrag.
Es gibt natürlich auch das genaue Gegenteil zu solch suboptimal gelaufener Supportkorrespondenz.
Hier ein besonders gelungenes Beipiel:

Sehr geehrter Herr Bohnsack,
auf der sehr mühsamen Suche nach der Auflösung der Abkürzung stud.IP stieß ich erst in Ihrem Glossar auf die folgende Definition:

Kurzbezeichnung für „Studienbegleitender Internetsupport von Präsenslehre“.

Doch nicht wirklich „Präsens“-Lehre! Das ist die Lehre des grammatischen Zeitausdrucks für die Gegenwart. Vielleicht meinen Sie ja „Präsenzlehre“, und das wäre dann die gegenwärtige oder aktuelle Lehre.

Bei einem im akademischen Bereich eingesetzten Programm würde ich mir schon begriffliche Genauigkeit wünschen – und natürlich eine viel schnellere Auflösung des Kürzels. Was mühe ich mich endlos, den Studis zu erklären, dass es gar nicht „schtutt-aipie“ heißen kann, weil es ja eine deutsche Abkürzung ist. Helfen Sie uns doch bitte, diesen schaurigen Irrtum aus der Welt zu schaffen. Am besten gleich auf Ihrer eigenen Page!
Beste Grüße,
Prof. Dr. $Name
Zentrum für Sprachforschung
Fachhochschule $-Ort

Ah, ein Klassiker: „Wie wird Stud.IP eigentlich ausgesprochen?“ in Kombination mit einem Rechtschreibfehler. Das Ganze schon mit verschmitzt formuliert, daher auch humorvoll beantwortet:

Sehr geehrter Herr Prof. $Name,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie haben natürlich vollkommen recht, es muss „Studienbegleitender Internetsupport von PräsenZlehre“ heißen. Anscheinend hat sich das „z“ auf eine längere Urlaubsreise begeben, weshalb das „s“ die Vertretung übernehmen musste. Ich werde es umgehend ablösen lassen und ein Ersatz-„z“ schicken.

Bei der Aussprache ist der Fall nicht ganz so einfach. Die ursprünglichen Entwickler hatten die Idee, den technischen Begriff „IP“ (ei-pieh) mit Studium, Studierender, etc. in Verbindung zu bringen. Daher sprechen wir auch heute noch von Schtudd-Ei-Pieh. Wie Sie richtig bemerken ist dies eine Vermischung von Deutsch und Englisch. Die rein deutsche Aussprache „Schtudd-Ih-Peh“ ist daher natürlich ebenfalls nicht verkehrt.

Ich muss Sie in beiden Punkten um Nachsicht bitten: auch wenn Stud.IP heute im akademischen Bereich zu unserer großen Freude stark verbreitet ist entstanden sowohl Glossar als auch Name in einer Zeit, in der die Plattform von wenigen Studierenden und Dozierenden für nur einen Fachbereich entwickelt wurde. Heute würde das vermutlich anders gehandhabt.

Mit freundlichen Grüßen
Marco Bohnsack

Die Antwort darauf will ich an dieser Stelle nicht vorenthalten.

Hallo Herr Bohnsack,

danke vielmals für Ihre ebenso schnelle wie verständnisvolle wie
originelle Reaktion auf die Intervention eines nach Erklärung Suchenden.
Ihre Antwort hat mir weitergeholfen: Ich werde jetzt nicht mehr an
schtutt-aipieh rummäkeln und kann im Zweifelsfall Ihre hilfreiche
Erklärung zitieren.

Dass Sie das so locker nehmen, freut mich in Zeiten ansonsten völlig
übertriebener Verbissenheit besonders. Insofern kann man die Verhältnisse
in der Uni nur mit heftigem Augenzwinkern ertragen.

Nochmals Dank und beste Grüße

Übrigens: Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht. Das Anfragen von Nutzerinnen und Nutzern von mir beantwortet werden ist die absolute Ausnahme. Normalerweise ist data-quest nicht für Supportanfragen von Nutzerinnen und Nutzern zuständig, das machen die Admins vor Ort. Unsere Aufgabe ist die Unterstützung der Betreiber an den jeweiligen Standorten (2nd-Level Support) und Weiterentwicklung der Software. Kleiner Hinweis für die Verfasserinnen und Verfasser der Mails die mich in den letzten Tagen erreichten. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darĂŒber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.