#3 Eine attraktive und konsistente Benutzeroberfläche.

Stud.IP

Ad pulcritudinem tria requiruntur, integritas, consonantia, claritas. Dreierlei ist der Schönheit wesentlich, Ganzheit, Harmonie und Ausstrahlung. (James Joyce, Ein Portrait des Künstlers als junger Mann).

Als ich an einem trüben Märznachmittag im Jahre 2003 auf Stud.IP gestoßen bin, war es nicht die erste Lernplattform, die mir vor die Füße fiel. Seit knapp einem halben Jahr hatten wir uns mehr schlecht als recht mit WebCT (Campus Edition 3.6) angefreundet, immer wieder mal einen Klick in der Blackboard-Installation unserer Oldenburger Kollegen gewagt und auch das ein oder andere ILIAS benutzt. An jenem Märztage allerdings hat mich, sehr schnell und sehr nachhaltig, die Anmutung von Stud.IP in den Bann geschlagen. Es war auf Anhieb zu merken, dass dahinter etwas anderes steckte als eine oberflächlich zusammengeklebte Sammlung von Tools unterschiedlichster Herkunft. Nämlich: Etwas konsequent Durchdachtes.

Man mag nun das Blau, die Icons, die Bilder angenehm finden oder auch nicht; zumindest dass sie zueinander passen und ein Ganzes ergeben, das lässt sich nicht abstreiten. Man mag der Meinung sein, dass es langweilig sei, in jeder Veranstaltung die gleiche Oberfläche vorzufinden; zumindest aber dass es die einmal gefundene Orientierung erleichtet, das lässt sich nicht abstreiten. Und man mag es unerträglich finden, die Oberfläche nicht mit drei Handgriffen verändern zu können, hier eine andere Farbe, dort ein anderes Bild und wieder anderswo eine andere Schriftart einzustellen; zumindest dass es, so wie es ist, farblich und grafisch aufeinander abgestimmt ist, lässt sich nicht abstreiten.

Die Frage, was an Stud.IP denn anders sei als an anderen Plattformen, endet häufig bei der Oberfläche. Die Erfahrung zeigt – und das zigtausendfach: Benutzer kommen damit zurecht, im Großen und Ganzen. Allumfassende individuelle Anpassbarkeit mag etwas sein, das die Kompetenz der Entwickler, gestaltungsunabhängig zu programmieren im besonderen Maße herausstellt. Aber das darf und sollte freilich nicht dazu führen, die Verantwortung für ein benutzbares System auf Systemadministratoren und Benutzer abzuwälzen. (Leider habe ich keinen Screenshot mehr von dem WebCT-Kurs, dessen Dozent der Meinung war, Exkursionsankündigen gehörten pink, Buchempfehlungen hellbau und besonders wichtige News saftiggrün auf sonnengelb dargestellt.)

Die Frage, was an Stud.IP ganz besonders idiotisch, widersinnig und haarsträubend sei, endet ebenso häufig bei der Oberfläche. Üblicherweise sind es „Web-Profis“, die Stud.IP ganz furchtbar unintuitiv finden, weil es sich nicht an diesen oder jenen De-Facto-Webforum-Standard halte, man nicht einmal HTML eingeben könne oder die Navigation nicht vertikal angeordnet ist. Ja. Und was sagt uns das? (Ein wenig erinnert mich das manchmal an den alten Witz von der Hummel.)

Natürlich ist Stud.IP nicht perfekt gestaltet, ich könnte hier ein halbes dutzend Design- und Usabilitykatastrophen aufzählen, sicherlich, die abgestellt gehören (die drei eben genannten Punkte gehören nicht dazu). Wir arbeiten daran und sind bis dahin überzeugt vom dritten Punkt der Stud.IP-Philosophie:

Einfache Benutzbarkeit und ein ausgewogenes, durchdachtes Design stehen über der Möglichkeit, jeder Veranstaltung ein individuelles Gesicht zu geben. Eine konsistente Bedienung des Systems sorgt dafür, dass Inhalte vor Gestaltung und Finden vor Suchen stehen. Bedienung, Funktionsumfang und Design bilden dabei jedoch nicht drei „konkurrierende“ Pole, sondern bedingen und unterstützen einander.

Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung zu: Studierende ernst nehmen und wird fortgesetzt in Orientierung an den Strukturen deutscher Hochschulen.

Ein Gedanke zu „#3 Eine attraktive und konsistente Benutzeroberfläche.

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