Rage against the machine

Manchmal baut sich Frust auf, der sich (oft ungerechtfertigter Weise) gegen Stud.IP richtet und dann irgendwo hin muß – aber warum ausgerechnet an meine Adresse? Seit gestern Abend werde ich von erbosten Studierenden einer Installation mit Mails und Anrufen überschwemmt. Da ich mittlerweile nicht mehr alle beantworten kann, nun eine Erklärung per Blog.

Die aufgeregteste Mail traf letzte Nacht ein – und ich kann den Frust, der darin zum Ausdruck kommt, gut nachvollziehen:

Hallo Herr Bohnsack, die Dauer des Aufbaus der Internetseiten für die Anmeldung für die einzelnen Vorlesungen ist eine einzige Katastrophe! Was wollen Sie Ihren Studierenden denn noch zumuten? Wann sollen sie denn noch Zeit zum Studieren haben, wenn sie stundenlang am PC hocken müssen, um sich für die einzelnen Vorlesungen anzumelden? Werden hierfür Studiengebühren gezahlt? Das ist doch wohl ein Witz, oder?
(…)
Sitze seit 20 Uhr am PC und versuche, mich für eine Vorlesung anzumelden!!! Das darf doch nicht wahr sein!!!! Mit der Anmeldung hat es natürlich nicht geklappt. Es wird Zeit, daß Sie sich Alternativlösungen für die Studis einfallen lassen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Dazu sollte man unbedingt wissen, dass Stud.IP KEIN monolithisches System ist, dass von data-quest für alle Hochschulen betrieben wird.

Stud.IP ist Open-Source-Software.
Jede Hochschule nutzt die Software nur für sich, deshalb gibt es nicht eine, sondern über 60 Installationen allein in Deutschland. data-quest ist eine Firma, die Support und Beratung anbietet, aber KEINEN unmittelbaren Einfluss auf die eingesetzte Hardware an den einzelnen Standorte hat und auch nicht für die Workflows der Hochschulen veranwtortlich ist.

Für Beschwerden und Nachfragen sind IMMER die Administratoren vor Ort zuständig!

Meist sind solche Frusterlebnisse wie das in der zitierten Mail ohnehin nicht nur in unterdimensionierter Hardware begründet – oft kommt einfach noch ein Fehler in der Organisation dazu, gerade am Anfang eines Semesters.

Man stelle sich vor, verschiedene Fächer mit zusammen 5000 Studierenden sagen „So, liebe Leute, jetzt meldet Euch für unsere Veranstaltungen an. Das geht von heute Abend um 20 Uhr bis morgen um 12 Uhr, wer sich bis dahin nicht eingtragen hat, bekommt auch keinen Platz.“

Die Folgen kann man sich auch mit wenig Phantasie ausmalen: muss der Stud.IP-Server sonst vielleicht nur 50-80 User gleichzeitig bedienen, bricht er nun unter dem Ansturm von 5.000 Leuten zusammen.

data-quest hilft und berät die einzelnen Hochschulen gerne, um solche Situationen zu vermeiden, denn das lässt sich mit geschicktem Timing und einigen Optimierungen alles in den Griff bekommen.

Im konkreten Fall wussten die Kollegen des betreffenden Standortes aber genau was sie taten, und hätten sich alle weiteren Beteiligten an die Spielregeln gehalten, hätte es dieses Erlebnis gar nicht erst gegeben.

Denoch ist klar: der Verfasser der obigen Mail hat, auch wenn der Tonfall unpassend und ich der falsche Adressat war, im Kern recht: sowas soll und darf nicht passieren.

Aber „an der Hochschule ist es wie auf der Autobahn“, pflegt ein Bekannter immer zu sagen: „Einer schert immer raus“ – und genau diese Renegaten haben jetzt eine ganze Hochschule in Chaos und Frust gestürzt.

Das ist mehr als Schade, weil auch Stud.IP dadurch einen schlechten Ruf bekommt – und der Erfolg des Systems beruht ja gerade auf der Tatsache, dass es unter Studierenden einen guten Ruf hat.

2 Gedanken zu „Rage against the machine

  1. Stefan Suchi

    ok, das erklärt dann auch, warum gestern Abend Developer-Server, Portal-Seite und Blog nur sporadisch erreichbar waren: Ein verzweifelter Versuch von vielen Studi’s, über die Portalseite doch noch in ihr System zu kommen bzw. einen Ansprechpartner zu finden.

    Wie baue ich mir meinen distributed denial of service Angriff…

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