#2 Studierende ernst nehmen.

Kontrolle
So nicht! (Photo: Chival)

Wenn Lernmanagementsysteme verglichen werden, begrenzt sich der Vergleich allzu leicht auf Listen von Funktionen, Features und Erweiterungen. Wie immer kommt es aber darauf an, was man daraus macht und das heißt in erster Linie: Wie geht das System mit seinen Nutzern um? Für welche Nutzer ist es überhaupt konzipiert und optimiert? In meinem zweiten Artikel über die Stud.IP-Philosophie möchte ich erläutern, warum für Stud.IP die Studierenden im Vordergrund stehen und was sie, die Dozenten und die Hochschulen davon haben.

In der Beschreibung eines ganz zufällig ausgewählten E-Learning-Angebotes konnte ich vorhin als stolzen Bericht über ein enthaltenes Feature lesen:

User tracking: Benutzerspezifische Daten des LMS ermöglichen es, die Navigation im Kurs, die Lernzeiten wie auch den Lernerfolg in Test- und Übungsaufgaben zu erfassen und im Hinblick auf die Lernwirksamkeit der Darstellung auszuwerten.

Bei Stud.IP gibt es so etwas nicht. Kein User-Tracking. Keine Speicherung von „Lernwegen“. Wir glauben nicht, dass sich so etwas Komplexes wie die „Lernwirksamkeit“ eines E-Learning-Szenarios aus gemessenen Verweildauern, Klick-Pfaden und Aufrufhäufigkeiten ableiten lässt. Wir glauben auch nicht, dass Lehrende bessere Betreuung anbieten können, wenn sie für jeden Einzelnen en detail nachvollziehen können, wann er wie oft und in welcher Reihenfolge was getan hat. Stattdessen glauben wir an Freiheit (as in „free speech“, not as in „free beer“). Wir glauben, dass erfolgreiche elektronische Unterstützung von Lehr-/Lernprozessen kein Mehr an Kontrolle benötigt, sondern im Gegenteil vieles unternommen werden muss, den kalten technischen Raum angenehm und vertrauenswürdig zu machen. Und deshalb heißt es in der Stud.IP-Philosophie über die wichtigste Nutzergruppe:

2. Studierende ernst nehmen.

Studierende sind in Stud.IP keine verwalteten, beobachteten und beaufsichtigten Objekte, sondern die wichtigste Gruppe, die aktiv, eigenverantwortlich und kreativ das „Leben“ im System bestimmt. Deshalb heißen Studierende in Stud.IP „AutorInnen“: Sie verfassen Diskussionsbeiträge, stellen Dateien und Lernmodule zur Verfügung und können wie Lehrende auch Informationen über sich selbst frei und flexibel veröffentlichen.

Man muss angesichts dieses Absatzes nicht gleich die Anarchie ausbrechen sehen, angestaubte 68er-Ideale in den Köpfen junger Programmierer angekommen wähnen oder befürchten, dass Stud.IP gänzlich an der Realität deutscher Hochschulen vorbeizielt. Im Gegenteil. Auf unseren Hochschulfluren stehen keine Stempeluhren für vorbeikommende Studierende, die Kopierer merken sich nicht, wer was kopiert hat und kein Buch flüstert dem Dozenten, ob Erwin Meier es wirklich gelesen hat. Stattdessen sind unsere Hochschulen Orte, an denen die Studieren sich einbringen können und lernen sollen, sich einzubringen. Zumindest sollten sie es sein. Und vielleicht – so hoffen wir – hilft Stud.IP ein Stück mit, dass sie auch und gerade im Internet-Zeitalter solche Orte bleiben oder wieder werden.

Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung zu: Ein offenes kommunikatives System für alle. und wird fortgesetzt von: Eine attraktive und konsistente Benutzeroberfläche.

2 Gedanken zu „#2 Studierende ernst nehmen.

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