Es war einmal: Stud.IP 0.1 – Eine Arbeitserleichterung muss her!

Herbst 1999. In einer heruntergekommenen ehemaligen Kinderklinik sitzt eine kleine Gruppe von Menschen beisammen und will „etwas mit Internet und Datenbanken machen“. So verschieden die Typen auch sind – sie haben zwei Dinge gemeinsam: Alle sind für die Internetseiten ihrer Institute verantwortlich. Und alle haben eigentlich etwas besseres zu tun.

„Ich habe eine Idee!“, ruft irgendwann ein jünger Teilnehmer begeistert. „Wie wäre es, wenn wir eine Oberfläche für die Kaffeemaschinensteuerung in unseren Institutsküchen schreiben? Man könnte sehen, wie viel Kaffee noch vorhanden ist und per Internet neue Kannen aufsetzen und…“
Ein langhaariger Biologe blickt ihn ungläubig an. „Nein. Das funktioniert nicht.“
„…Kaffeerezepte über das Internet austauschen. Nicht? Warum nicht?“
„Kaffeemaschinensteuerungen sind Closed-Source. Damit können wir hier nicht arbeiten. Wir machen hier Open-Source“
Der Biologe erklärt das Konzept von OpenSource. Alle nickten betroffen und grübeln weiter.
Ein blonder Soziologe meldet sich zu Wort: „Ich habe da so ein Projekt, das nennt sich ESO und das steht für „elektronischer Seminarordner“. Klingt gut, oder? Allerdings muss man alles von Hand machen. Vielleicht kann man das irgendwie automatisieren, so dass die Studierenden ihre Dokumente selbst hochladen können?“
Plötzlich wird es unruhig im Raum, die Gesichter erhellen sich und „Arbeitserleichterung“ steht allethalben auf die Stirne geschrieben.
„Ist so etwas schwer zu programmieren? Wer kann überhaupt programmieren? Und wie soll das realisiert werden?“
Wieder ist es der Biologe, der die aufkommende Panik verhindert.
„Diese Anwendung soll in PHP geschrieben werden und eine Datenbank namens MySQL nutzen. Wir brauchen einen Linux-Server. Ich habe gesprochen.“
Der Initiator der Runde und Besitzer des Büros, ein Kommunikationswissenschaftler, bekommt Flecken im Gesicht.
„Linux? Ein kostenloses Betriebssystem? Können wir das nicht auf Windows programmieren? Da kenne ich mich wenigstens aus! Ich will das nicht. Das macht mir alles Angst!“
Der Biologe erklärt seelenruhig die Vorteile des freien Betriebssystems, duldet keine Widerrede und installiert bei dem nächsten Treffen vor staunenden Augen das fremdartige Stück Software. Alle sind begeistert. Der Biologe und der Kommunikationswissenschaftler einigen sich darauf, sofort mit den Programmierarbeiten anzufangen und die Ergebnisse so bald wie möglich in einem Seminar zum Thema Kurzfilmpraxis einzusetzen.
„Wo fangen wir nur an? Ich habe hier zwar das teuerste und dickste Buch zum Thema PHP-Programmierung gekauft, aber können wir nicht erstmal etwas einfaches und fertiges nehmen und das als Grundlage verwenden? Ich könnte zum Beispiel für mein Seminar ein Forum gebrauchen, denn meine Studierenden sollen Drehbücher diskutieren. Ich bin schließlich Kommunikationswissenschftler!“.
Der Biologe setzt sich an den Rechner und nimmt einige versierte Handgriffe vor. Nach etwa 15 Minuten hat er auf dem neuen Server ein einfaches Forum installiert. Der Kommunikationswissenschaftler kann es kaum glauben, ist aber schon nach wenigen Minuten ausprobieren unzufrieden.
„Das ist unglaublich. Allerdings muss das ganz anders. Ich hab da schon eine Handvoll Ideen. Mann muss sofort sehen können, was neu ist. Und wer am meisten geschrieben hat, damit die Studierenden untereinander in einen Wettstreit um den aktivsten Teilnehmer treten. Und jeder muss sich selbst darstellen können und…“

Wenige Tage später kommt die Kerngruppe wieder zusammen. Inzwischen existiert ein einsatzfähiges Forensystem und der Kommunikationswissenschftler ist noch immer dabei, neue Ideen zu verkünden.
Sofort werden Teilnehmer des Seminars Kurzfilmpraxis gezwungen, dieses Forum zu nutzen. Die erste Funktion des bisher noch namenlosen Stud.IP ist entstanden.

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5 thoughts on “Es war einmal: Stud.IP 0.1 – Eine Arbeitserleichterung muss her!

  1. Marco Bohnsack

    LOL!!!

    Setzt Du das bitte, bitte fort?

    Für alle nicht Eingeweihten:

    Handelnde Personen in „The Beginning“:
    – „Der Biologe“: Stefan Suchi
    – „Der Kommunikationswissenschaftler“: Ralf Stockmann
    – „Der Soziologe“: Oliver Brakel

    (Ehre, wem Ehre gebührt!)

  2. Cornelis Kater Beitragsautor

    Klar, die Version 0.1 steht nicht ohne Grund im Titel.

    Die Namen wollte ich eigentlich erst in der nächsten Folge aufdecken…

  3. Annette

    Den Kommunikationswissenschaftler und den Biologen hab ich auch so problemlos erkannt! ROTFL

  4. Pingback: Stud.IP-Blog » Blog Archive » #6 Unterstützung für alle statt Spezialfeatures für wenige.

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